| Wären Menschen dazu bestimmt, nackt zu sein,
wären sie so geboren worden. - Oscar Wilde - | If people were meant to
be nude, they would have been born this way. - Oscar Wilde - |
|---|---|
| Nackt und umgeben mit
Rechtschaffenheit zu sein ist weitaus besser, als prächtig
gekleidet und geplagt durch Scham vor dem Körper. - Nudistenphilosoph - | Tis' far
better to be nude and cloaked with honesty than to be dressed in finery
and plagued by body shame - Nudist Philosopher - |
| Welcher Geist ist so leer und
blind, der nicht die Tatsache erkennen kann, dass der Fuß
vornehmer als der Schuh ist und die Haut schöner als das Gewand,
mit dem sie bekleidet ist? - Michelangelo - |
What spirit is so empty and blind, that it
cannot recognize the fact that the foot is more noble than the shoe,
and skin more beautiful than the garment with which it is
clothed? - Michelangelo - |
| Der menschliche Körper kann nackt und unbedeckt bleiben und
bewahrt unberührt seinen Glanz und seine Schönheit. - Papst Johannes Paul II - | The human body can remain nude and uncovered and
preserves intact its splendor and its beauty. - Pope John Paul II - |
| Nacktheit zum sexuellen Tabu in der Umgebung von Kindern zu machen, im Bemühen sie zu beschützen, ist ein Beispiel einer "Seelsorge", die schlechter ist als der Tod. Es lehrt die Kinder Scham, vermehrt ihr Interesse an Nacktheit und Sex in ungesunder Art und Weise und macht sie anfälliger für sexuellen Missbrauch. | Making nudity the subject of sex Young around children, in an effort to protect them, is an example of the cure being worse than the disease. It teaches children shame, increases their interest in nudity and sex in unhealthy ways and makes them more venerable to sexual abuse. |
| "Sexueller
Anstand kann also nicht einfach irgendwie identifiziert werden mit der
Verwendung von Kleidung, noch Schamlosigkeit mit der Abwesenheit von
Kleidung und totaler oder teilweiser Nacktheit. Es gibt Umstände,
unter denen Nacktheit nicht unanständig ist... Nacktheit als
solche darf nicht gleichgesetzt werden mit physischer Schamlosigkeit.
Unanständigkeit ist nur gegeben, wenn Nacktheit eine negative
Rolle in Hinsicht auf den Wert einer Person spielt... Der menschliche
Körper ist nicht an sich beschämend, noch sind es sinnliche
Reaktionen aus dem selben Grund, und menschliche Sinnlichkeit im
Allgemeinen. Schamlosigkeit (genau wie Scham und Anstand) ist eine
Funktion des Inneren der Person." - Papst Johannes Paul II, 1981 - | "Sexual modesty
cannot then in any simple way be identified with the use of clothing,
nor shamelessness with the absence of clothing and total or partial
nakedness. There are circumstances in which
nakedness is not immodest...Nakedness, as such, is not to be equated with
physical shamelessness. Immodesty is present only when nakedness plays a
negative role with regards to the value of the person...The human body is
not in itself shameful, nor for the same reason are sensual reactions, and
human sensuality in general. Shamelessness (just like shame and modesty)
is a function of the interior of the person." - Pope John Paul II, 1981 - |
Was ist Naturismus, und was ist Nudismus oder die FKK (Freikörperkultur)? Hier muss zwischen den Begriffen unterschieden werden, denn es gibt einen deutlichen qualitativen Unterschied: Mit Nudismus ist das Nacktsein um der Nacktheit Willen gemeint. Ein Nudist hält sich durchaus auch nackt in der eigenen Wohnung auf, was für einen Naturisten eher beiläufig wäre. Das deutsche Wort FKK (Freikörperkultur) bedeutet im Prinzip Nudismus mit einem starken Gemeinschaftsaspekt, der sich in der Bildung verschiedener FKK-Vereine niederschlägt, so z.B. in den im Deutschen Verband für Freikörperkultur zusammengefassten Vereinen. Gerade auch im englischsprachigen Raum werden Nudisten von Naturisten auch darin unterschieden, dass sich erstere hauptsächlich auf speziellen, abgegrenzten Arealen (FKK-Anlagen, -Strände, -Campingplätze) aufhalten, während Naturisten auch in der Natur (Wald, Baggerseen, usw.) anzutreffen seien.
"Das Motto 'Zurück zur Natur' der Naturismus-Bewegungen ging weit über die Ziele heutiger hedonistischer Freizeitgestaltung hinaus und verband Nudismus mit Sozialutopien und lebensreformerischen Ansprüchen."
[Der Tagesspiegel, 29.7.2000]
Beim Naturismus geht es um mehr als nur die
körperliche Nacktheit. Naturisten glauben an die erzieherische und
harmonisierende Wirkung von Nacktheit (meist gepaart mit Körpererziehung)
in der freien Natur. Ziel ist das Leben in Harmonie mit den Erscheinungen
der Natur. So geht es dem Naturisten darum, Wind, Regen, Schnee und Sonne
auf der Haut zu fühlen - was beim Nacktsein in der Wohnung nicht
möglich ist. Häufig ist die Körpererziehung im Hinblick auf
einen schönen, ästhetischen und gesunden Körper zu sehen.
Der echte Naturismus steht in deutlicher Distanz zu "Bierbäuchen in
FKK-Clubs". Viele Naturisten ernähren sich gesund, z.B. vegetarisch,
treiben regelmäßig Sport, trinken wenig oder keinen Alkohol, rauchen
nicht, tragen gesunde (Bio-)Kleidung usw.
So ist Naturismus als eine Lebenseinstellung zu verstehen, der es um mehr
als reine Nacktheit geht, und die aus der Lebensreformbewegung entstanden
ist. Nacktheit ist hier verbunden mit Körpergefühl, Abhärtung
und Ausbildung des Körpers und dem folgenden nivellierenden Aspekt:
Nackt sind die Menschen äußerlich gleich und müssen sich
durch z.B. intellektuelle und ethische Leistungen unterscheiden - eine
Herausforderung jenseits von materiellen Statussymbolen.
Einen guten Überblick über die volkserzieherischen - heute leider
meist historischen - Aspekte der Nacktkultur gibt das Buch von Giselher Spitzer
(siehe unten).
Die INF definierte Naturismus auf ihrem Weltkongress 1974 so:
"Naturismus ist eine Lebensart in Harmonie mit der Natur. Sie kommt zum Ausdruck in der gemeinschaftlichen Nacktheit, verbunden mit Selbstachtung, sowie Respektierung der Andersdenkenden und der Umwelt. Gemeinschaftliche Nacktheit ist ein essentielles Kennzeichen des Naturismus, der die Naturelemente Sonne, Luft und Wasser völlig auswertet. Der Naturismus stellt das physische und psychische Gleichgewicht wieder her, indem er Erholung in einer natürlichen Umgebung bringt, durch Bewegung und Respekt für die Grundprinzipien von Gesundheits- und Ernährungslehre. Der Naturismus fördert viele Aktivitäten, die die Kreativität entwickeln. Völlige Nacktheit ist der geeignetste 'Anzug', um eine Rückkehr zur Natur zu verwirklichen und ist mit Sicherheit der sichtbarste Aspekt des Naturismus, auch wenn sie nicht der einzige ist. Sie hat eine ausgleichende Wirkung auf Menschen, indem sie sie von Spannungen befreit, die durch Tabus und Provokationen der heutigen Gesellschaft verursacht sind, und den Weg zu einer einfacheren, gesunderen und menschlicheren Lebensweise zeigt."
Kaiserreich
Die Freikörperkultur entsteht um 1900 im Kontext der Lebensreformbewegung,
die eine Erneuerung der gesamten Lebensführung (Ernährung, Kleidung,
Wohnung, Gesundheits- und Körperpflege) anstrebt. In Anknüpfung
an medizinisch-naturheilkundliche Konzepte, die seit Ende des 18. Jahrhunderts
dem unbekleideten "Baden in Licht, Luft und Sonne" eine besondere
gesundheitsfördernde Wirkung zuschreiben, wird der nackte Körper
als "natürlichster" Ausdruck der Körperlichkeit, "wiederentdeckt".
Die Verfechter der Nacktkultur (der Begriff Freikörperkultur wird erst
nach dem 1. Weltkrieg gebräuchlich) werten Nacktheit zur eigentlichen
sittlichen und 'natürlichen' Lebensweise auf. Den Vorwurf ihrer Gegner,
gegen Moral und "gute Sitten" zu verstoßen, kehren sie damit offensiv
um. Praktizierte Nacktheit propagieren sie als Mittel der "Befreiung" von
einer "krankmachenden" Lebensweise in einer "kranken" Gesellschaft. Nacktkultur
versteht sich als ein umfassendes gesellschaftspolitisches Konzept, das
Gesellschaftsveränderung durch Selbstreform anstrebt. Bestandteile der
Nacktkulturideologie sind die Verpflichtung zu einer "naturgemäßen"
Lebensweise (Vegetarismus, Abstinenz, Mäßigung) und eugenische
und rassenhygienische Vorstellungen zur 'Formung eines gesunden
Volkskörpers'. In der Praxis wird Nacktkultur größtenteils
nach Geschlechtern getrennt und nicht völlig entblößt betrieben
- Männer tragen die 'Sonnenbadehose', Frauen das 'Luftbadekleid'. Nur
in wenigen Vereinigungen wird der radikale Schritt zur gemeinsamen Nacktheit
beider Geschlechter getan.
Weimarer Republik
Seit Beginn der Weimarer Republik kann die FKK-Bewegung zunehmend offensiv
agieren. Zahlreiche Vereine entstehen, die das gesamte politische Spektrum
der Weimarer Republik widerspiegeln und unterschiedliche Konzeptionen von
FKK verfechten. Eine umfangreiche Publizistik propagiert, von Verboten und
Zensur weitgehend unbehelligt, die Ziele der Freikörperkultur. FKK wird
zu einer Massenbewegung, die am Ende der Republik circa 100.000 organisierte
Anhänger zählt. Neben reichsweiten FKK-Verbänden mit ihren
Ortsgruppen und den lokalen Vereinen entsteht eine touristische Infrastruktur,
die auch nicht organisierten FKK-Anhängern Möglichkeiten für
Freizeit- und Urlaubsaufenthalte im 'Lichtkleid' bietet.
Nationalsozialismus
Nach der Machtübernahme der Nazis wird die FKK-Bewegung per Erlaß
nominell verboten. Das Verbot trifft in aller Härte die proletarischen
FKK-Vereine. Die meisten bürgerlichen FKK-Vereine wählen den Weg
der freiwilligen Selbstgleichschaltung: Nach Ausschluß derjenigen
Mitglieder, die fortan als 'Nicht-Arier' und/oder als politische Gegner des
Nationalsozialismus gelten, schließen sie sich im 'Kampfring für
völkische Freikörperkultur' (ab 1934 'Bund für Leibeszucht')
zusammen. Ideologisch betont der 'Bund' von Anfang an seinen besonderen Beitrag
für die 'rassische, gesundheitliche und sittliche Hebung der Volkskraft'.
Aber erst mit der verstärkten Aufmerksamkeit für
Körperertüchtigung im Zusammenhang mit der angestrebten
"Wehrhaftmachung" des deutschen Volkes ab 1935 wird FKK zunehmend durch
staatliche und parteiamtliche Stellen anerkannt und gefördert. Besondere
Unterstützung und Wertschätzung erfährt die FKK durch die
SS, die auf persönliche Initiative Himmlers die Weiterarbeit des 'Bunds
für Leibeszucht' bis zum Frühjahr 1945 ermöglicht.
Deutschland West (BRD)
Nach dem Verbot des 'Bunds für Leibeszucht' durch die Alliierten werden
in den westlichen Besatzungszonen FKK-Vereine ab 1946 nach und nach wieder
zugelassen. In den ersten Jahren der BRD verbleibt die FKK im gesellschaftlichen
Abseits. Das repressive Klima der 'Ära Adenauer' äußert sich
unter anderem im rigorosen Kampf gegen "Schmutz und Schund" und jede Form
von Nacktheit. Erst mit dem fundamentalen Wandel im Umgang mit Nacktheit
in Medien und Alltagspraxis gewinnt FKK ab Mitte der 60er Jahre eine bislang
ungeahnte gesellschaftliche Akzeptanz. FKK wird nun zu einer unorganisierten
Massenbewegung. Sie wird zunehmend nicht nur als Urlaubsvergnügen
praktiziert, sondern erobert sich als sommerliche Freizeitbetätigung
zunehmend Räume in den Naherholungsgebieten und städtischen
Grünanlagen jenseits der für FKK freigegebenen Gelände. In
der organisierten FKK-Bewegung werden die lebensreformerischen Positionen
des alten Nudismus weitgehend marginalisiert. Die Vorstellungen von FKK als
einer umfassenden Lebensweise mit kultur- und gesellschaftspolitischen
Zielsetzungen werden durch ein Selbstverständnis als 'gesundes',
gemeinschaftsförderndes Freizeitvergnügen zur Familienerholung
und sportlichen Betätigung ohne weiterreichenden Anspruch ersetzt.
Deutschland Ost (DDR)
In der DDR entwickelt sich FKK zu einer Massenbewegung, die alle Altersgruppen
und Bevölkerungsschichten umfaßt. FKK ist an dafür freigegebenen
Badestellen erlaubt, die Bildung von FKK-Vereinen bleibt hingegen verboten.
Schon seit den 50er Jahren breitet sich FKK auch jenseits der freigegebenen
Gelände aus. Anfänglich immer wieder behindert, zum Teil auch
strafrechtlich belangt, werden die 'wilden' FKK-Anhänger schließlich
geduldet, zahlreiche 'wilde' Badeplätze legalisiert. Mit dem Verblassen
tradierter bürgerlicher Moralvorstellungen, insbesondere in Fragen der
Sexualmoral, wird FKK ab Mitte der 60er Jahre für viele Bürgerinnen
und Bürger zu einem selbstverständlichen Bestandteil ihrer
Freizeitkultur. Ende der 80er Jahre zeigt sich an den meisten Badestellen
ein äußerst uneinheitliches Bild. Jeder und jede badet so, wie
er und sie es will und für richtig hält, nackt oder in Badekleidung.
Heute
Heute, um die Jahrtausendwende, gehört FKK zum sommerlichen Alltag nicht
nur an vielen Badestellen, sondern auch in den innerstädtischen
öffentlichen Parks und Schwimmbädern. Die Inbesitznahme
öffentlicher Räume durch die Nackten wird in den Medien zwar in
jeder Saison kontrovers diskutiert, aber ernstlich Anstoß wird nicht
mehr genommen. Im Gegensatz zur "verhüllten Gesellschaft" des Kaiserreichs,
in der Nacktheit in jeder Form als Schamlosigkeit und sittliche Gefährdung
betrachtet wurde, hat FKK heute alles Skandalöse verloren.